35 Beirätinnen und Beiräte als Vertreter von Gemeinden, Behörden und Verwaltungen, Vereinen, Verbänden und Forschungseinrichtungen waren der Einladung des Bayerischen Umweltministeriums zur jährlichen Beiratssitzung des Nationalparks Berchtesgaden ins „Haus der Berge“ gefolgt. Umweltminister Thorsten Glauber dankte eingangs Nationalparkleiter Dr. Roland Baier und seinem Team sowie den Beiratsmitgliedern für die wertvolle Arbeit der vergangenen Jahre. Einige Beiräte werden das Gremium mit Beginn der neuen Wahlperiode auf kommunaler Ebene verlassen.
Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber betonte bei der Eröffnung der Sitzung: „Die Arbeit des Nationalparks Berchtesgaden und seines Beirats kann man nicht hoch genug schätzen. Der Nationalpark ist der Leuchtturm der ganzen Region. Er steht für die Vereinbarkeit von Schutz einer herausragenden Naturlandschaft, Naturtourismus und hoher Wertschöpfung. Herausforderungen wie der Felssturz im Wimbachtal im vergangenen Jahr werden beherzt und fachkundig bewältigt. Ein herber Verlust und ein unübersehbarer Beleg für den fortschreitenden Klimawandel war der Einsturz der Eiskapelle. Aber wir blicken auch auf Höhepunkte wie die Auswilderung der Bartgeier ‚Generl‘ und ‚Luisa‘ oder die erfolgreiche Forschungskooperation mit der TU München. Ich danke allen engagierten Freunden des Nationalparks für ihren Einsatz, mit dem sie sich auch den anstehenden Aufgaben widmen – dazu gehört etwa die Neugestaltung des Außenbereichs am Klausbachhaus."
Im Tätigkeitsbericht blickte Nationalparkleiter Dr. Roland Baier zunächst auf die herausragenden Ereignisse des vergangenen Jahres zurück: In Kooperation mehrerer Sachgebiete mit der Stabsstelle für Öffentlichkeitsarbeit ist die neue Wildnisbroschüre mit dem Titel „vielfältig.vertikal.wild“ erschienen. Auf 40 Seiten präsentiert das Heft die enorme Artenvielfalt des Schutzgebiets und stellt Fakten zu Prozessschutz, Artenvielfalt und Klimawandel im Nationalpark vor. Auf großes gesellschaftliches und mediales Interesse stießen auch zwei Naturereignisse: Der große Felssturz im Wimbachtal Anfang August mit anschließender Neutrassierung des verschütteten Steiges sowie der Einsturz des bekannten Geotops „Eiskapelle“ am Fuße der Watzmann-Ostwand im September.
Im Sachgebiet Parkmanagement wurde nach ausführlicher Vorbereitung ein Meilenstein in der einvernehmlichen Übereinkunft zur Nutzung der Wege im Nationalpark im Rahmen der Almwirtschaft erreicht: An alle Berechtigten wurden entsprechend ihres individuellen, nachgewiesenen Bedarfs fälschungssichere Schilder ausgegeben, die bei Fahrten im Schutzgebiet gut sichtbar hinter der Windschutzscheibe anzubringen sind. „Diese Regelung bringt eine Vereinfachung mit sich und mehr Klarheit für die Überwachung der Straßenbenutzung“, erklärt Nationalparkleiter Dr. Roland Baier. Rund 222.000 Euro investierte die Nationalparkverwaltung in das Borkenkäfermanagement. Durch konsequente Aufarbeitung konnte eine Massenvermehrung des Käfers trotz des Sturmes Zoltan Ende Dezember 2023 und der Schneebrüche vom Herbst 2024 verhindert werden. Über 680.000 Euro investierte der Nationalpark im vergangenen Jahr in den Erhalt der Straßen, Wege und Steige im Schutzgebiet. Viele Arbeitsstunden der Waldarbeiter im Revier Au-Schapbach flossen dabei in die Neutrassierung und Sicherung des Steiges, der beim Felssturz in hinteren Wimbachtal verschüttet wurde und dauerhaft unpassierbar ist. Die Arbeiten am neuen Steig mit alternativer Wegführung werden mit Beginn der Vegetationszeit fortgeführt. Die 13 Rangerinnen und Ranger des Nationalparkdienstes haben 2025 insgesamt knapp 16.000 Stunden im Gelände verbracht, unter anderem bei Besucherlenkung und Information, Führungen, Journalistenbegleitungen, Forschung und Umweltbildung.
In der ersten Saison der Waldinventur 2025 haben Mitarbeitende bereits 1.850 Plots im gesamten Schutzgebiet erfasst, die zweite Phase der Inventur beginnt Anfang Mai und soll in diesem Jahr abgeschlossen werden.
Auch die Nationalparkforschung blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück: Das Forschungsteam hat 2025 insgesamt 30 peer-reviewed Papers publiziert und elf studentische Abschlussarbeiten in den Bereichen Biodiversität, Waldentwicklung und Wildökologie erfolgreich abgeschlossen. Forschungsschwerpunkte lagen darüber hinaus auf den Bereichen Walddynamik und Störungen, Latschengesundheit sowie auf dem sozio-ökologischen Grundlagenmonitoring.
Ein erfolgreiches Jahr liegt auch hinter dem Bereich Bildung: Insgesamt knapp 330.000 Gäste besuchten die Infostellen des Nationalparks, Spitzenreiter war die neue Informationsstelle auf St. Bartholomä mit 123.000 Besuchen, gefolgt vom Nationalparkzentrum „Haus der Berge“ mit knapp 110.000 Besuchen. Am Wanderprogramm, das die Nationalparkverwaltung in Kooperation mit dem Zweckverband Bergerlebnis Berchtesgaden sowie der Biosphärenregion Berchtesgadener Land herausgibt, nahmen 2.352 Personen teil. An den mobilen Ständen im Gelände betreuten Nationalpark-Mitarbeitende 41.436 Gäste – das ist neuer Rekord. Für die Kindergruppen waren insgesamt 135 Veranstaltungen geboten. Nach der zweiten Zertifizierung neuer Nationalpark- und Biosphärenschulen sind aktuell 15 Schulen Mitglied des Netzwerks, weitere sollen folgen.
Das Interesse der Medien am Nationalpark ist ungebrochen groß: Das Nationalparkteam betreute im vergangenen Jahr 97 Journalisten. Dabei nimmt der Anteil digitaler Medien zu: Online-Newsportale, Blogger und Content Creatoren nehmen eine zunehmend wichtigere Rolle ein. Der digitale Trend spiegelt sich auch in den Social Media-Auftritten des Nationalparks wider: Auf Instagram ist der Nationalpark Berchtesgaden mit 28.600 Followern reichweitenstärkster Nationalpark Deutschlands.
In Kürze wird der neu konzipierte und neu gestaltete Sole-Themenweg zwischen Salzbergwerk und Haus der Berge eröffnet. Zwölf großformatige Tafeln informieren entlang des knapp vier Kilometer langen Weges zwischen den beiden Ausflugzielen über die Geschichte des Salzes, die Salinenwirtschaft und den Nationalpark Berchtesgaden.
Die Partnerinitiative des Nationalparks ist 2025 um vier Netzwerk-Neulinge gewachsen und zählt aktuell 31 Betriebe. Kürzlich hat die Nationalparkverwaltung auch die siebte erfolgreiche EMAS-Validierung erfolgreich durchlaufen und ist damit weiter Vorreiter unter den deutschen Nationalparks im Bereich des betrieblichen Umweltmanagements.
Abschließend stellte der Nationalparkleiter Dr. Baier die Evaluierung zur „Managementqualität im Nationalpark Berchtesgaden“ des Evaluierungskomitees Nationale Naturlandschaften e.V. im Auftrag des Bundesamtes für Naturschutz (BfN) vor. „Ergebnis und Bewertung beweisen: Die Nationalparkverwaltung setzt die Vorgaben des Bundesnaturschutzgesetzes für Prozessschutz, Forschung, Bildung und Erholung beispielhaft um. Darauf können wir und die gesamte Nationalparkregion stolz sein“, betont Baier.
In der anschließenden Diskussion sprachen die Beirätinnen und Beiräte verschiedene Themen an, darunter Herausforderungen bei der Wildbestandsregulierung in Zeiten des Klimawandels, den geplanten barrierefreien Weg am Jenner sowie die aktuelle Haushaltssituation im Naturschutz. Die nächste Sitzung des Nationalparkbeirats wird am 10. März 2027 stattfinden.
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Bildnachweis: Nationalpark Berchtesgaden
Anlässlich der 54. Beiratssitzung des Nationalparks Berchtesgaden verabschiedeten Bayerns Umweltminister Thorsten Glauber (3.v.r.) und Nationalparkleiter Dr. Roland Baier (3.v.l.) einige langjährige Mitglieder des Gremiums, darunter den scheidenden Landrat Bernhard Kern (2.v.l.) sowie Hannes Rasp, Bürgermeister von Schönau am Königssee (r.). Neu im Gremium ist der designierte Bürgermeister der Nationalparkgemeinde Ramsau, Richard Graßl (l.). Auch im Bild: Dr. Bartl Wimmer (2.v.r.), Vorsitzender Bergerlebnis Berchtesgaden.

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