30 Beirätinnen und Beiräte als Vertreter von Gemeinden, Behörden und Verwaltungen, Vereinen, Verbänden und Forschungseinrichtungen waren der Einladung des Bayerischen Umweltministeriums zur jährlichen Beiratssitzung des Nationalparks Berchtesgaden ins „Haus der Berge“ gefolgt. Dr. Christian Barth, Amtschef im Bayerischen Umweltministerium, dankte eingangs Nationalparkleiter Dr. Roland Baier und seinem Team für die wertvolle Arbeit der vergangenen Jahre.
„Die Anerkennung des Nationalparks Berchtesgaden als Kategorie II-Nationalpark durch die Weltnaturschutzorganisation IUCN ist ein Beleg für die gute Arbeit und das große Engagement der Nationalparkverwaltung auf internationaler Ebene. Auch vor Ort laufen viele Projekte mit großem Erfolg, beispielsweise das Bartgeierprojekt, bei dem 2025 die bereits fünfte Auswilderung stattfinden wird. Der Neubau des Bürogebäudes an der Nationalparkverwaltung und die Übergabe der Villa Schön als neues Haus der Forschung an die Nationalparkverwaltung bieten vor Ort ab sofort noch bessere infrastrukturelle Voraussetzungen für eine erfolgreiche Nationalparkarbeit“, betonte Amtschef Dr. Barth zu Beginn der Sitzung.
In seinem Jahresrückblick informierte Nationalparkleiter Dr. Roland Baier das Plenum über die geleisteten Arbeiten und gab einen Ausblick auf bevorstehende Aufgaben und Projekte. Er verwies hierbei auf die Gemeinschaftsleistung aller Mitarbeitenden des Nationalparks, die in den vielfältigen Aufgabefeldern großes Engagement zeigen. Ein besonderer Dank galt der regionalen Politik, den Vereinen und Verbänden sowie den Unternehmern für die Unterstützung der Nationalparkarbeit. Neben den vom Amtschef vorgestellten Höhepunkten des Vorjahres zeigte sich Baier erfreut über die bereits seit fünf Jahren bestehende Forschungskooperation mit der Technischen Universität München, an der dazu die neue Professur „Ökosystemdynamik und Waldmanagement in Gebirgslandschaften“ eingerichtet wurde. Nach Ansicht des Nationalparkleiters habe sich diese enge Zusammenarbeit zu einem „Leuchtturm in der Forschungslandschaft entwickelt“.
Im Anschluss an den Bericht des Nationalparkleiters stellten die Sachgebietsleiterinnen und -leiter erstmals sachgebietsübergreifend die Schwerpunkte der Aktivitäten in den verschiedenen Handlungsfeldern nach dem neuen Nationalparkplan vor. Im Lebensraummanagement war ein zentraler Tätigkeitsschwerpunkt die Aufarbeitung von Windwürfen nach Sturmtief Zoltan, das vor allem das Revier Hintersee mit knapp 5.500 Festmetern stark getroffen hatte. Wie in den Vorjahren lag ein weiterer Fokus auf der tierschutzgerechten Regulierung des Rotwildes am Königssee, da diese aufgrund des Klimawandels und dem damit verbundenen Fernbleiben des Wildes von den Wintereinständen zunehmend erschwert wird. Im Handlungsfeld Erholung investierte die Nationalparkverwaltung 2024 rund 564.000 Euro in die Instandhaltung der Wege und Steige im Schutzgebiet. Im Zuge der versuchsweisen Freigabe neuer Radwege im Nationalpark wurde die gesamte Radwegebeschilderung überarbeitet und angepasst. Neue, leicht verständliche Piktogramme auf großformatigen Infotafeln im Gelände sollen für eine gute Akzeptanz der neuen Regeln sorgen. Im Handlungsfeld Forschung sind 20 Mitarbeitende beschäftigt, die aktuell an acht Forschungsprojekten sowie an Monitoring- und Datenmanagementaufgaben arbeiten. Beachtliche Ergebnisse lieferte das Projekt zur Erfassung der Artenvielfalt im Nationalpark: Das Forscherteam ermittelte 7.749 Insektenarten, 775 Pflanzen, 100 Vogelarten, 15 Fledermäuse, elf Kleinsäuger, neun Großsäuger, acht Reptilien- und Amphibienarten sowie knapp 50.000 Bakterien und Pilze. Im Huftierprojekt liefern aktuell 31 mit GPS-Sendern ausgestattete Gämsen sowie 20 besenderte Rothirsche Daten für das Schalenwildmonitoring. Im Handlungsfeld Bildung wurden 2024 insgesamt 134 geführte Wanderungen mit 2.000 Teilnehmenden durchgeführt und knapp 26.000 Menschen bei mobilen Bildungsangeboten im Gelände betreut. Im Partnerschulprojekt sind derzeit 15 Schulen im gesamten Landkreis beteiligt, weitere sieben befinden sich in der Bewerbungsphase.
331.000 Gäste besuchten die Infostellen des Nationalparks im vergangenen Jahr, Spitzenreiter war das Nationalparkzentrum „Haus der Berge“ mit 113.000 Besuchern. Im Handlungsfeld Kommunikation war ebenfalls Positives zu berichten, denn auch das Interesse der Medien am Nationalpark ist ungebrochen groß: 99 Journalistenteams besuchten das Schutzgebiet im Jahr 2024 zu Dreh- und Recherchearbeiten sowie für Veröffentlichungen in Zeitungen, Radio und in neuen Medien. Die letzte Veranstaltung der traditionellen Winter-Vortragsreihe findet ausnahmsweise aufgrund der hohen zu erwartenden Besucherzahlen im Kulturhof statt. Am 3. April um 19:00 Uhr berichten fünf Referenten über die Situation des Steinwildes im Hagengebirge zwischen 1924 und heute. In der Partnerinitiative des Nationalparks sind aktuell 26 Betriebe aktiv, das Netzwerk soll weiter wachsen. Im Herbst 2024 wurde die 6. EMAS-Validierung erfolgreich abgeschlossen. Damit ist der Nationalpark Berchtesgaden weiterhin Vorreiter im betrieblichen Umweltmanagement als eine der wenigen Behörden in Bayern, die auf Grundlage von EMAS bereits seit vielen Jahren bilanziert. Im Handlungsfeld Organisation lag ein Schwerpunkt des Berichtes auf der Einführung des Arbeitnehmerbudgets. Dieses wurde erstmals im Ressort des Umweltministeriums an der Nationalparkverwaltung eingeführt und erhöht die Flexibilität bei der Personalverwaltung.
In der anschließenden Diskussion sprachen die Beirätinnen und Beiräte verschiedene Themen an, darunter die Barrierefreiheit an den Nationalpark-Infostellen, das Partnerschul-Projekt in Zusammenarbeit mit der Biosphärenregion Berchtesgadener Land, die Wildbestandsregulierung, das Aasökologie-Projekt, das Borkenkäfermanagement sowie anstehende Infrastrukturmaßnahmen an den Unterkunftshütten des Deutschen Alpenvereins (DAV) im Schutzgebiet. Die nächste Sitzung des Nationalparkbeirats soll im März 2026 stattfinden.
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Bildnachweis: Nationalpark Berchtesgaden
Dr. Christian Barth (3.v.r.), Amtschef im Bayerischen Umweltministerium, leitete die diesjährige Beiratssitzung des Nationalparks Berchtesgaden. Im Bild v.l.: Dr. Peter Loreth, Leiter der Biosphärenregion BGL, Landrat Bernhard Kern, Nationalparkleiter Dr. Roland Baier sowie v.r. Hannes Rasp, Bürgermeister Schönau am Königssee und Dr. Bartl Wimmer, Leiter Zweckverband Bergerlebnis Berchtesgaden.
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